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Akne vulgaris

Akne vulgaris

Akne vulgaris: Entstehung, Diagnose und Behandlung

Was ist Akne vulgaris?

Akne vulgaris ist die häufigste Hauterkrankung weltweit und betrifft etwa 85% aller Menschen zwischen dem 12. und 25. Lebensjahr. Der Begriff “vulgaris” stammt aus dem Lateinischen und bedeutet “gewöhnlich” oder “alltäglich” – was bereits verdeutlicht, wie weit verbreitet diese Erkrankung ist. Akne ist eine chronische entzündliche Dermatose, das heißt eine langanhaltende Hautkrankheit mit Entzündungscharakter, die hauptsächlich das Gesicht, den Rücken und die Brust betrifft.

Die Anatomie der Haut verstehen

Um Akne zu verstehen, müssen wir zunächst die Struktur unserer Haut betrachten. Die Haut besteht aus drei Hauptschichten: der Epidermis (Oberhaut), der Dermis (Lederhaut) und der Subcutis (Unterhaut). Für das Verständnis der Akne sind besonders die Talgdrüsen wichtig, die sich in der Dermis befinden. Diese Drüsen produzieren Talg, eine ölige Substanz, die unsere Haut geschmeidig hält und vor dem Austrocknen schützt.

Die Talgdrüsen sind über kleine Kanäle, die sogenannten Follikel, mit der Hautoberfläche verbunden. Stellen Sie sich diese Follikel wie winzige Tunnel vor, durch die der Talg nach außen transportiert wird. In diesen Follikeln wachsen auch die Körperhaare, weshalb man sie auch als Haarfollikel bezeichnet.

Die Pathophysiologie der Akne: Wie entsteht die Erkrankung?

Die Entstehung der Akne ist ein komplexer Prozess, der auf vier Hauptfaktoren beruht, die wir als die “vier Säulen der Akne-Pathogenese” bezeichnen können:

1. Seborrhö – Die übermäßige Talgproduktion

Der erste Schritt in der Entstehung von Akne ist die Seborrhö, also eine verstärkte Produktion von Talg durch die Talgdrüsen. Diese Überproduktion wird hauptsächlich durch Androgene ausgelöst – das sind männliche Geschlechtshormone, die sowohl bei Männern als auch bei Frauen vorkommen. Während der Pubertät steigt die Androgenproduktion stark an, was erklärt, warum Akne in dieser Lebensphase so häufig auftritt.

Das Hormon Testosteron wird in der Haut durch das Enzym 5α-Reduktase in Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. DHT ist etwa zehnmal wirksamer als Testosteron und bindet an spezielle Rezeptoren in den Talgdrüsen, wodurch diese zu verstärkter Talgproduktion angeregt werden. Denken Sie an die Talgdrüsen wie an kleine Fabriken, die plötzlich in die Überproduktion gehen.

2. Follikuläre Hyperkeratose – Die Verstopfung der Poren

Parallel zur erhöhten Talgproduktion kommt es zu einer Störung der normalen Hautabschuppung. Normalerweise erneuert sich unsere Haut kontinuierlich, indem alte Hautzellen abgestoßen und durch neue ersetzt werden. Bei Akne jedoch verläuft dieser Prozess fehlerhaft: Die Keratinozyten (die häufigsten Zellen der Oberhaut) vermehren sich verstärkt und verhornen abnormal stark.

Diese follikuläre Hyperkeratose führt dazu, dass die Ausgänge der Haarfollikel verstopft werden. Stellen Sie sich vor, der “Tunnel” wird durch abgestorbene Hautzellen blockiert, während gleichzeitig mehr Talg produziert wird. Das Ergebnis ist ein Rückstau, der die Grundlage für die Entstehung von Komedonen bildet.

3. Mikrobielle Besiedlung – Die Rolle der Bakterien

In der normalen Haut lebt ein Bakterium namens Cutibacterium acnes (früher Propionibacterium acnes genannt) als Teil der natürlichen Hautflora. Dieses Bakterium ernährt sich von den Lipiden im Talg und ist normalerweise harmlos. Bei Akne jedoch schaffen die verstopften, talgreicheren Follikel ideale Lebensbedingungen für diese Bakterien.

C. acnes vermehrt sich explosionsartig und produziert dabei verschiedene Enzyme, insbesondere Lipasen. Diese Enzyme spalten die Triglyceride im Talg in freie Fettsäuren auf, die irritierend auf die Haut wirken. Zusätzlich produzieren die Bakterien chemotaktische Faktoren – das sind Substanzen, die Entzündungszellen anlocken wie ein Notruf an das Immunsystem.

4. Inflammatorische Reaktion – Die Entzündungsantwort

Die vierte und entscheidende Komponente ist die Entzündungsreaktion des Körpers. Die irritierenden Substanzen, die von C. acnes produziert werden, aktivieren das angeborene Immunsystem. Neutrophile Granulozyten (eine Art von weißen Blutkörperchen) wandern in die betroffenen Follikel ein und setzen dort Entzündungsmediatoren frei.

Diese Entzündungsmediatoren, darunter Zytokine wie Interleukin-1β und Tumor-Nekrose-Faktor-α, verstärken die Entzündungsreaktion und führen zu den charakteristischen Symptomen der Akne: Rötung, Schwellung und Schmerzhaftigkeit.

Die verschiedenen Erscheinungsformen der Akne

Nicht-entzündliche Läsionen

Komedonen sind die Grundbausteine der Akne. Man unterscheidet zwischen offenen und geschlossenen Komedonen:

  • Offene Komedonen (Mitesser): Diese erscheinen als schwarze Punkte auf der Haut. Die dunkle Farbe entsteht nicht durch Schmutz, sondern durch die Oxidation von Melanin und Keratin an der Hautoberfläche – ein chemischer Prozess ähnlich dem Braunwerden eines angebissenen Apfels.

  • Geschlossene Komedonen (Whiteheads): Diese erscheinen als kleine, hautfarbene oder weißliche Erhebungen. Der Follikelausgang ist hier komplett verschlossen, wodurch keine Oxidation stattfinden kann.

Entzündliche Läsionen

Papeln sind kleine, rote, erhobene Hautveränderungen mit einem Durchmesser von weniger als 5 mm. Sie entstehen, wenn der Follikel durch die Entzündung rupturiert (aufplatzt) und der Inhalt in das umliegende Gewebe gelangt.

Pusteln sind mit Eiter gefüllte Läsionen, die durch die Ansammlung von Neutrophilen und Bakterien entstehen. Der Eiter ist ein Gemisch aus abgestorbenen Immunzellen, Bakterien und Gewebetrümmern.

Knoten sind große, tiefliegende, schmerzhafte Entzündungen mit einem Durchmesser von mehr als 5 mm. Sie entstehen, wenn die Entzündung tief in die Dermis eindringt und dort fibrotische Reaktionen auslöst.

Zysten sind mit Flüssigkeit oder halbflüssigem Material gefüllte Hohlräume, die durch die Zerstörung der Follikelwand entstehen.

Klassifikation des Schweregrades

Die Schweregrad-Einteilung der Akne erfolgt nach verschiedenen Systemen. Das am häufigsten verwendete ist die Klassifikation nach Plewig und Kligman:

Akne comedonica (Grad I): Vorwiegend nicht-entzündliche Läsionen mit offenen und geschlossenen Komedonen, hauptsächlich in der T-Zone des Gesichts.

Akne papulopustulosa (Grad II): Zusätzlich zu den Komedonen treten entzündliche Papeln und Pusteln auf, die sich über das gesamte Gesicht ausbreiten können.

Akne conglobata (Grad III): Schwere Form mit tiefen, schmerzhaften Knoten und Zysten, die zu Narbenbildung führen kann.

Akne fulminans (Grad IV): Sehr seltene, schwerste Form mit ausgeprägten systemischen Symptomen wie Fieber und Gelenkschmerzen.

Ätiologie und Risikofaktoren

Hormonelle Faktoren

Die Rolle der Androgene in der Akne-Pathogenese ist zentral. Interessant ist, dass auch Frauen mit normalem Androgenspiegel Akne entwickeln können, da die Talgdrüsen bei Akne-Patienten eine erhöhte Sensitivität gegenüber Androgenen aufweisen.

Bei Frauen kann Akne auch durch polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) verstärkt werden, eine hormonelle Störung, die mit erhöhten Androgenspiegeln einhergeht.

Genetische Prädisposition

Familiäre Häufung ist bei Akne deutlich zu beobachten. Studien zeigen, dass bei Akne-Patienten oft auch die Eltern betroffen waren. Die Vererbung ist jedoch polygenetisch, das bedeutet, mehrere Gene sind beteiligt, nicht nur ein einzelnes “Akne-Gen”.

Externe Faktoren

Komedogene Kosmetika: Bestimmte Inhaltsstoffe in Kosmetika können die Poren verstopfen und Akne verstärken. Dazu gehören bestimmte Öle, Wachse und Emulgatoren.

Mechanische Faktoren: Reibung durch Kleidung, Helme oder häufiges Berühren der Haut kann zu einer speziellen Form der Akne führen, der sogenannten Akne mechanica.

Ernährung: Neuere Forschungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Akne und der Aufnahme von Milchprodukten sowie hochglykämischen Nahrungsmitteln (Nahrungsmittel, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen).

Diagnostik

Die Diagnose der Akne erfolgt in der Regel klinisch, das heißt durch die Betrachtung der Haut und die Anamnese (Krankengeschichte). Wichtig ist die Differentialdiagnose zu anderen Hauterkrankungen wie Rosazea, seborrhoischer Dermatitis oder bakterieller Follikulitis.

Bei Frauen mit besonders schwerer oder spät auftretender Akne sollte eine hormonelle Abklärung erfolgen, um Erkrankungen wie PCOS oder Androgenüberschuss auszuschließen.

Therapieoptionen

Topische Therapie

Retinoide: Adapalen, Tretinoin und Tazaroten sind synthetische Vitamin-A-Derivate, die die Keratinozyten-Differenzierung normalisieren und die Komedo-Bildung reduzieren. Sie wirken, indem sie an spezielle Rezeptoren in den Hautzellen binden und die Genexpression verändern.

Benzoylperoxid: Dieses Oxidationsmittel wirkt bakterizid gegen C. acnes und hat zusätzlich eine keratolytische Wirkung, das heißt, es löst die Hornschicht auf und öffnet verstopfte Poren.

Antibiotika: Clindamycin und Erythromycin werden topisch eingesetzt, um die bakterielle Besiedlung zu reduzieren.

Systemische Therapie

Antibiotika: Tetracycline (Doxycyclin, Minocyclin) werden bei mittelschwerer bis schwerer Akne eingesetzt. Sie wirken nicht nur antibakteriell, sondern haben auch anti-inflammatorische Eigenschaften.

Isotretinoin: Dies ist das wirksamste Medikament bei schwerer Akne. Es reduziert die Talgproduktion um bis zu 90% und normalisiert die Keratinisierung. Aufgrund der teratogenen Wirkung (schädigend für das ungeborene Kind) ist bei Frauen eine strenge Schwangerschaftsverhütung erforderlich.

Hormonelle Therapie: Bei Frauen können Antiandrogene wie Cyproteronacetat oder Spironolacton eingesetzt werden.

Prognose und Komplikationen

Die meisten Formen der Akne heilen ohne Behandlung ab dem 20. Lebensjahr spontan ab. Bei schweren Formen können jedoch bleibende Narben entstehen, die das Selbstbewusstsein erheblich beeinträchtigen können.

Atrophe Narben entstehen durch Verlust von Kollagen und erscheinen als eingesunkene Bereiche der Haut. Hypertrophe Narben hingegen entstehen durch übermäßige Kollagenproduktion und erscheinen als erhabene, wulstige Bereiche.

Psychosoziale Aspekte

Akne kann erhebliche psychische Auswirkungen haben, insbesondere bei Jugendlichen in der wichtigen Phase der Identitätsfindung. Studien zeigen erhöhte Raten von Depressionen und Angststörungen bei Akne-Patienten. Daher ist eine ganzheitliche Betreuung wichtig, die nicht nur die medizinische Behandlung, sondern auch die psychologische Unterstützung umfasst.

Fazit

Akne vulgaris ist eine komplexe, multifaktorielle Erkrankung, die weit mehr ist als ein kosmetisches Problem. Das Verständnis der zugrundeliegenden Pathophysiologie ermöglicht es, gezielte und effektive Therapien zu entwickeln. Mit den heute verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten kann praktisch jede Form der Akne erfolgreich behandelt werden, wenn die Therapie individuell angepasst und konsequent durchgeführt wird.

Die Forschung in diesem Bereich schreitet kontinuierlich voran, und neue Therapieansätze, wie die Modulation der Hautmikrobiota oder die Entwicklung neuer anti-inflammatorischer Wirkstoffe, versprechen weitere Verbesserungen in der Akne-Behandlung.

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